2008 • Text von Dr. Martin Kraft (Kurzfassung), Dr. Martin Kraft

Farbe, Bewegung, Emotion

Am Anfang steht nichts als eine einzige Farbe, ohne dass Susi Bleuler erklären könnte, wieso sie statt einer anderen ausgerechnet diese gewählt habe: eine Frage der momentanen Stimmung also.

Sie baut nicht planvoll eine Komposition auf, sondern arbeitet rein intuitiv. Über die dünn aufgetragene erste Farbe legt sie eine andere und wieder eine andere, Schicht um Schicht, so dass früher Gemaltes durchscheint und das Bild räumliche Tiefe gewinnt. Und dann kommt plötzlich, unberechenbar, der Augenblick, wo die Intuition der Reflexion, dem kritischen Abwägen weicht.

Das wäre dann ein Thema ihres Schaffens, das ansonsten keine Themen kennt – ausser: Farbe, Bewegung, Emotion.

2008 • Text von Dr. Martin Kraft (ganzer Text), Dr. Martin Kraft

Farbe, Bewegung, Emotion

Der Malprozess mag bei abstrakter Malerei, wo die Frage nach der Wirklichkeitstreue des Gemalten nicht von ihm ablenkt, besonders interessieren. Mit Action Painting, das Susi Bleuler an sich sehr anspricht, hat er hier nichts zu tun. Aber sie baut auch nicht planvoll eine Komposition auf, sondern arbeitet rein intuitiv. Über die dünn aufgetragene erste Farbe legt sie eine andere und wieder eine andere, Schicht um Schicht, so dass früher Gemaltes durchscheint und das Bild räumliche Tiefe gewinnt. Und dann kommt plötzlich, unberechenbar, der Augenblick, wo die Intuition der Reflexion, dem kritischen Abwägen weicht. Ist das Bild bereits vollendet? Was muss noch hinzugefügt, verändert werden? Oder würde jeder weitere Schritt das Bild nur zerstören?

Wenn auch Reflexe der sichtbaren Wirklichkeit unvermeidlicherweise in ihre Bilder einfliessen, malt Susi Bleuler ohne bewussten Bezug zu dieser.
Zugleich weiss sie aus Erfahrung, dass sich bei den Betrachtenden immer wieder unterschiedlichste Assoziationen an Geschautes und unterschiedlichste Emotionen einstellen. Gelegentlich mag sie mit Bildtiteln, die sie nicht unbedingt aus innerem Bedürfnis, sondern auch den Forderungen des Kunstbetriebs entsprechend gibt, dazu anregen. Wesentlich ist, dass sich mit solchen durch kein vorgegebenes Konzept eingeengten Assoziationen ein Dialog ergibt zwischen der Künstlerin und ihrem Publikum. Das wäre dann ein Thema ihres Schaffens, das ansonsten keine Themen kennt – ausser: Farbe, Bewegung, Emotion.

Interpretieren lassen sich abstrakte Bilder naturgemäss nur bedingt, wenn man Interpretation nicht auf die Beschreibung dessen reduziert, was gegenüber dem Original eigentlich offensichtlich ist.

Bei Susi Bleuler aber steht am Anfang nichts als eine einzige Farbe, ohne dass sie erklären könnte, wieso sie statt einer anderen ausgerechnet diese gewählt habe: eine Frage der momentanen Stimmung also. Wesentlich ist dabei, dass sich beim Blick über das gesamte Schaffen zwar immer wieder durch dieselbe Farbkombination verbundene Werkgruppen zeigen, insgesamt aber alle Farben ohne Bevorzugung einer einzelnen eingesetzt werden, unter ihnen gewissermassen ein demokratisches Gleichgewicht besteht.

2006 • Auszug aus einem Text von Sinda Dimroth Künstlerin und Kunsthistorikerin

In meinem Arbeitszimmer hängt ein grosses abstraktes Bild, 100×120 Zentimeter, Acryl auf Leinwand von Susi Bleuler.

…es ist aus vielen Malschichten aufgebaut, durchlässig; bis zum Malgrund verfolgt das Auge den Pinselstrich. Die Transparenz der Malaufträge erzeugt diese Tiefe, die uns an unergründliches Wasser oder den Blick aus grosser Höhe denken lässt…

Die Pinselführung ist impressionistisch, zart gestisch, eher verhalten, nie auftrumpfend oder pastos…

2005 • Küsnachter Jahrheft Sinda Dimroth, November 05

2003 • Auszug aus einem Text von Sinda Dimroth Künstlerin und Kunsthistorikerin

Susi Bleuler hat viele Jahre in einem Kellerraum gearbeitet, wo ich sie mehrfach besucht habe. Die enorme Ernsthaftigkeit und Konsequenz mit der sie ihren eigenen Weg suchte und geht, weitab von allen Kunsttrends, das hat mein Interesse hervorgerufen. Da gibt es grosse Leinwände mit Köpfen, in deren Physiognomie die jeweils aktuelle Problematik der Künstlerin um Ausdruck ringt und eigene Formensprache findet. Daneben verformt sie giftige Bleiplatten zu Hüllen, denen das Menschliche entschlüpft ist, wie einem abgelegten Mantel. Durchaus politisch sind einige Arbeiten gemeint, in deren Inhalt sie sich mit Flucht, Feuersbrunst, Krieg, Armut oder dem Schmerz des Individuums auseinandersetzt und den Beschauer durch ihre Umsetzung dieser grossen Themen zu berühren sucht. Seit Susi Bleuler umgezogen ist in einen lichtdurchfluteten Raum, ist die Thematik ihrer Bilder abstrakter geworden. Die neuesten Acrylbilder lassen die Farben zu Emotionen werden.

Kataloge und Zeitungsberichte

1998 • «Künstler für Kinder» Kunsthaus Richterswil, Peter Noser

1997 • Katalog «International Women Artists» Grand Palais, Paris

1997 • Journal de Morges, FB Ausstellung im Centre Culturelle de Morges

1997 • Zürichsee Zeitung Ausstellung Im Höchhuus Küsnacht rbu, 11.3.97

1997 • Tages Anzeiger Ausstellung im Höchhuus, Küsnacht Barbara Handke

1996 • Zürichsee Zeitung Erlenbacher KünstlerInnen Christian Rentsch, 17.6.95

1995 • Katalog Schuler Auktionen Sept.95

1994 • Katalog «Salon des Artistes Français» Espace Eiffel/Branly, Paris, Okt.94

1994 • Katalog «International Art Festival» AWA, San Francisco

1993 • Katalog «Contemporaines», International Women Artists Grand Palais, Paris, 31.1.93

1993 • Le Quotidien de Paris Ausstellungsbericht Galerie ART 14 Yan Ciret, Paris, 22.7.93

1993 • Le Courrier des Galeries Paris, Nr. 60, Juli 93

1992 • Tages Anzeiger, Züri Tipp Ausstellung in der Kirche St. Jakob Peter Killer, 24.12.1992

1991 • Katalog «Homo Helveticus, Frauen sehen Männer» Verein Artischock, Küsnacht, 11.10.91

1991 • Katalog «Fils et Métier», «La Porte» Lourdes F, Okt.91

1988 • Katalog «Miniatur Textil Biennale» Szombathely , Ungarn, 24.6.88

1988 • Katalog «Fibres et Fils» Musée d’Art et d’Histoire, Belfort, F, 30.7.88